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Von Castoren und strahlenden Siegern !
Der Staat zeigt Härte, die Menschen zeigen Charakter. Im Schatten des Krieges und der Regierungskrise rollte ein Atomtransport durchs Land, und trotz aller Behauptungen der Polizei über Rekordzeiten ist der Widerstand lebendig wie eh und je !

"Wir werden reagieren" verkündeten Polizei und BGS in einer Zeitungsanzeige am Mittwoch. Anlaß : von der Polizei als "kriminell" eingestufte Aktionen gegen den Atommülltransport nach Gorleben. Dabei hat selbige Polizei noch kurz zuvor von einem störungsfreien Ablauf geredet. Teilweise werden Stimmen laut, die voreilig den Niedergang des Widerstandes verkünden wollen. Ihnen allen die solche Sachen erzählen ist eins gemeinsam : sie waren größtenteils nicht dabei, und wenn dann in der Uniform der Besatzer...

Sicherlich, es waren diesmal wohl keine 15.000 AtomgegnerInnen da. Das ist zwar schade, aber nicht unbedingt der Schwäche der Bewegung zu verdanken. Fanatiker wie Schilly, Bin Laden und Bush, die Hetze um die Innere Sicherheit, Globalisierung , der Krieg in Afghanistan nicht zuletzt aber auch eiskalte Novembernächte haben vielleicht den einen oder andern, der noch im Frühling dabei war, dazu bewogen, diesmal zuhause zu bleiben. Doch wollen wir mal nicht dramatisieren. Fakt ist, die AntiAtombewegung ist da, aktiv, und erfolgreich.

Die Ausweitung des Widerstandes auf die Grenze, auf Frankreich, auf die Transporte nicht nur Richtung Gorleben sondern auch auf diejenigen Richtung La Hague; dies sind zwar keine so medienwirksame zentrale Massenaktionen wie "früher", aber sie bereiten der Atommafia Probleme, die weit über ein dreitägiges Spektakel im Wendland hinausgehen.
Denn so gut wie jeder Transport der dieses Jahr aus Deutschland nach Frankreich gefahren ist, wurde erfolgreich blockiert, oft sogar mehrmals. Selbst um einen einzelnen Behälter aus Hessen nach La Hague zu bringen, waren im Sommer tausende PolizistInnen nötig, die aber nicht verhindern konnten daß der Transport von einer internationalen Gruppe blockiert wurde.

Und jeder, der dieser Tage im Wendland war, konnte sich davon überzeugen, daß der Geist dort oben ungebrochen ist. Der nach wie vor fest in der Bevölkerung verwurzelte Widerstand, die Solidarität und die Tradition von über 20 Jahren Kampf für Leben und Freiheit können dort auch nicht von zehntausenden PolizistInnen zerschlagen werden.

Denn auch für diesen Transport waren im Schatten des Afghanistan-Krieges etwa 18.000 PolizistInnen, 50 Hubschrauber und eine allgemeine Außerkraftsetzung jeglicher verbliebenen "demokratischen" Rechte nötig. So wurde jeder Versuch ein Camp zu errichten von der Polizei sofort unterdrückt. Ein faktisches allgemeines Demonstrationsverbot, zahlreiche aufgelöste Versammlungen, und ein absolut willkürliches Auftreten der Polizei, die sich in bester Besatzermanier gebärdete und versuchte mit Hunden, Tränengas und Knüppeln jeden Widerstand im Keim zu ersticken. Dabei kam es zu 780 "Ingewahrsamnahmen" und 460 Platzverweisen. So sieht also ein "reibungsloser" Transport ohne "nennenswerten Widerstand" aus..

.. Mensch könnte jetzt viele Beispiele für Polizeigewalt und Willkür aufführen, sich über den Verlust von Demokratie beklagen, usw. Doch leider erstaunt es mich irgendwie nicht, offen zu erleben was ich schon immer geahnt habe, nämlich daß wir in einem Polizeistaat leben, wo die "Ordnungshüter" als Instrument der herrschenden Elite einen zivilen Konflikt mit militärischen Mitteln austragen.

Viel lieber zähle ich einige Beispiel dafür auf, was trotz diesem Staatsterror noch alles möglich war: 350 Trecker demonstrierten oder stellten sich quer auf die Strasse, da hatten mehr als einmal Menschen sich auf den Schienen angekettet, abgeseilt, sonstwie blockiert! Es wurden sowohl die Strassentransportstrecke wie auch die Polizei-nachschubrouten immer wieder von hunderten von Menschen blockiert. So kam es allein im kleine Ort Splietau bei Dannenberg zu 4 erfolgreichen Strassenblockaden an die ich mich erinnern kann. Bei Hitzacker blockierten über tausend Menschen die Zugstrecke und Polizeieinheiten. Am Dienstagabend besetzten bei eisiger Kälte bis zu 600 Menschen 12 Stunden lang die Castorstrecke in Laase kurz vor Gorleben und verzögerten die Abfahrt des Castors. Bei Quickborn gelang es Menschen mitten zwischen den Castor LKWs auf die Strasse zu kommen. Auf der Bahnstrecke fand die Polizei drei vergrabene Betonblöcke, an die sich Menschen anketten wollten.
Das nur als einige Beispiele, es gab unzählige kleine und grosse Aktionen mehr...siehe bei indymedia...... In fast jedem Ort existierten Volksküchen und Infopoints, es gab Konzerte, kurz, es existierte ein lebendiger Widerstand, der noch lange nicht so müde ist wie einige denken. Bei alledem waren die GewaltPrognosen der Polizei vollkommen falsch. zwar wurden ungefähr ein Dutzend PolizistInnen verletzt, dies jedoch durch einen Verkehrunfall von Einsatzfahrzeugen....

Die Polizei meint, sie hätte gewonnen, nur weil es uns nicht gelang den transport in spektakulärer weise zu behindern. Aber die Polizei ist nicht fähig zu erkennen, worum es uns geht. Wir lassen uns nicht in eine rein militärische Logik verwickeln.
Und wenn wir auf unsere Weise, mit unseren Ideen und dem Basiswiderstand nicht gewinnen können, dann haben alle verloren, wir und der Rest der Bevölkerung. Und die Hoffnung auf Freiheit und das Leben überhaupt.

Aber wir werden gewinnen, da bin ich sehr zuversichtlich ! Denn auch bei diesem Transport haben wieder Tausende gezeigt, wie mensch basisdemokratisch und besonnen trotz tausenden gewalttätiger Staatsschergen der Atommafia in den Arm fällt. Und das werden wir solange tun bis das letzte AKW abgeschaltet ist !!


Atomfeindliche Grüsse,